giorgio avanti. zug. 2026

Die schwarze Hornbrille ergänzt das Bild des Künstlers beinahe klischeehaft. Peter Georg Studer, bekannt als Giorgio Avanti, schafft Werke auf Leinwand und Papier. Der Name Avanti passt zu seiner Kunst und zu seiner Arbeitsweise: spontan und ohne lange zu zögern. Das Zufällige begeistert ihn. Beim Malen ebenso wie beim Schreiben.

Gerne hätte Giorgio auch einmal einen Roman veröffentlicht. Doch dafür fehlt ihm die Geduld. Seine Leidenschaft gilt den Kurzgeschichten. Und davon gibt es viele. Das erfahre ich, kurz nachdem wir das Zuhause von Giorgio und seiner Frau Isabel hoch über dem Zugersee betreten. Beiläufig erwähnt Giorgio, dass er etwas für mich habe. Ich freue mich zuerst über den Kater – nach dem ich suchte, seitdem ich wusste, dass es ihn gibt. Und anschliessend über einen Stapel seiner Bücher, den mir Giorgio mit einem freundlichen «Die sind für dich» überreicht.

Grosse Natursteinplatten führen uns in weitere Räume. Regale voller Bücher verraten, wie belesen die beiden sind. Eigene und fremde Malereien zieren die Gänge.

​«Ich bin ein Glückspilz», höre ich Giorgio Avanti während unseres Besuchs zum zweiten Mal sagen. Ich frage nach, was er damit meint. «Ganz allgemein», antwortet er und ergänzt sofort: «Und wegen meiner Frau.» Seit 26 Jahren begleitet sie ihn, unterstützt ihn in allen Lebenslagen und in seiner künstlerischen Arbeit, die seit Jahrzehnten mit seinem Leben verwoben ist.

Aus den Anfängen mit abstrakter Kunst sind heute farbintensive Gemälde mit grosser Tiefe entstanden. Berge und Seen sind die Hauptakteure seiner Bilder. Der Künstlerkollege Walter Ropélé hat ihn ermutigt, Bergmotive zu malen. Mit seinen Kunstwerken bewahrt Avanti auch Erinnerungen an Berg- und Seesichten, die vielen Menschen heute verbaut werden. Bei den «Avantis» wird das nie der Fall sein. Der Blick aus jedem Fenster des Hauses scheint mir Inspirationsquelle genug zu sein. Für all die Kunst, die hier entsteht.

Verschmitzt blickt Giorgio in Darios Kamera. Hunderte Farbtupfer zieren den Boden des Ateliers. An den Wänden: Skizzen, Texte und Gedanken auf Papier. Giorgio Avanti malt intuitiv. Musik von Schubert, Schumann oder Beethoven begleiten ihn dabei. «Die Idee entwickelt sich in meinem Kopf, alles entsteht spontan – auch die Farben – und im richtigen Moment bringe ich sie auf die Leinwand.»

Während wir die Gemälde betrachten, stimme ich Dario zu: Seine und Giorgios Kunst könnten unterschiedlicher kaum sein. Dario fotografiert in Schwarz-Weiss. Giorgio malt bunt. Deshalb entsteht das Porträt mit Avantis Selbstbildnis bewusst in Farbe. Ganz so, wie er es mag: «Avanti ist Farbe! Ich denke an nichts, wenn ich male. Ich sehe Farben.»

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Photographs by Dario Zimmerli
Words by Natalie Schafroth

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Stefanie Heinzmann

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Catia Gubelmann