Peter Weingartner. büron. 2026

Ein Herbstmorgen auf der Ebene des Surentals zwischen Knutwil und Büron. Leichter Bodennebel. Im Süden die Alpen. Dario hat sich vorbereitet, ein Storyboard. Er heisst mich, auf dem Weg auf ihn zuzulaufen. Blick mal hoch, in die Ferne, mal in die Linse. Wohin mit den Händen? Lesebrille. Hosensack.

Ich kenne das Tal. In einigen meiner Krimis findet ein Hund oder ein aufmerksamer Spaziergänger im Surseer Wald eine Leiche. Der Surenweg zwischen Sursee und Schöftland ist ein Schauplatz meiner Morgenmärsche. Ich hab noch nie ein Fotoshooting gemacht. Als Objekt, meine ich. Ich mache im Normalfall, was mir begegnet, zu meinen Objekten, ohne dass die Blätter, Kieselsteine, Pferdeäpfel, etwas davon bemerken. Objekt? Subjekt? Ich halte mich für einen wachen Spaziergänger. Die Enten sind wachsam und fliegen auf, wenn man stehenbleibt. Inspiration am Surenufer.

die poesie der unentschiedenheit

die ente schwadert und schwankt

zwischen zwei erpeln auf dem bach

als ob sie sich nicht entscheiden

könnte bleib ich stockententreu

oder probier ichs mal mit polyamorie

Dario führt Regie. Er hat das Auge, und manchmal findet er eine Pose oder Geste gut, die er nicht vorgeschlagen hat. Ich nehms als Spiel. Einen spielerischen Aspekt hat auch mein Schreiben. Oder vielleicht besser: verspielt. Ich setze mich auf den Stuhl, lehne mich an die Wand der Hütte in der Ebene beim Knutwiler Bad. Denkerpose und Blick in die Wolken. Sinnend bis verträumt.

Dario führt Regie. Er hat das Auge, und manchmal findet er eine Pose oder Geste gut, die er nicht vorgeschlagen hat. Ich nehms als Spiel. Einen spielerischen Aspekt hat auch mein Schreiben. Oder vielleicht besser: verspielt. Ich setze mich auf den Stuhl, lehne mich an die Wand der Hütte in der Ebene beim Knutwiler Bad. Denkerpose und Blick in die Wolken. Sinnend bis verträumt.

Im Gehen lässt sich trefflich Gedanken nachhängen. Und das mit offenen Sinnen. In einem Busch dreht sich ein Blatt wie verrückt, derweil das restliche Laub sich kaum bewegt. Am Morgen ist die Luft noch unverbraucht, was sich auf den Geist auswirkt. Einbildung? Da hörst du im Frühling ein Weidenkätzchen miauen, und auf dem Schotterweg schrumpfen mit dem Aufgehen der Sonne über dem Gschweich die Schatten der Steinchen.

die poesie langer schatten

an den extremen des tages

die kühe grasen das güllenfass kahl

der kiesel wird zum hinkelstein

schattenwürfe nicht für die ewigkeit

mein blick jagt den morgenmarder

in die böschung zurück

 

Die Veränderungen des Lichts in den Jahreszeiten. Die wechselnden Gerüche. Im Korn riechst du das Brot. Das Palaver der Krähen. Dampfender Pferdedung. Lieber sehe ich einen Fuchs im Maisfeld verschwinden als eine hundehaltende Person, die ihr Tier nicht im Griff hat.

Gute Bilder können auch riechen. Gute Bilder erzählen Geschichten, denn die Aufnahme bannt bloss einen Moment in einem zeitlichen Kontinuum mit Vor- und Nachgeschichte. Was Dario macht, versuche ich mit Worten, bloss anders herum: aus Buchstaben Bilder kreieren. Einen Moment bannen. Bilder, die jede lesende Person selber malt, unter unwillkürlicher Zuhilfenahme der eigenen Geschichte.

 

die poesie der wolkenwölfe

liegt in ihrer verformbarkeit

aus schiff wird flugs ein fisch

aus hundekopf ein blumentopf

und bei sonnenschein äsen bald

friedlich am herbsthimmel lämmer

Photographs by Dario Zimmerli
Words by Peter Weingartner

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Angela Elena Stadelmann